AUTISMUS am Arbeitsplatz als Stärke erkennen

Autismus am Arbeitsplatz

Autismus als Stärke erkennen.

Die Tür fällt ins Schloss, die Jacke fliegt mit einem Schwung über den Haken an der Gaderobe, die Schuhe reihen sich im Regal ein, die Couch empfängt den fallenden Körper mit einer weichen Umarmung.

Endlich Entspannung! Endlich frei sein von all den Geräuschen, Bildern, Gerüchen – Empfindungen, die den ganzen Tag ungefiltert auf einen einfallen. Jetzt geht nichts mehr. Die Batterie ist komplett leer gesaugt. Reif für Urlaub oder zumindest für‘s Wochenende! Nur ist es Montag und der Urlaub in weiter Ferne.

So geht es wahrscheinlich einigen Menschen im Autismus-Spektrum, nach einem langen Tag auf Arbeit. Personen mit Autismus sind in ihrem Alltag extremer Belastung ausgesetzt. Jeder Mensch empfindet Stress auf andere Art und Weise. Zeitdruck bei der Arbeit, Leistungsdruck, Konflikte mit anderen Menschen, Existenzsorgen, Schmerzen, und vieles mehr. Es gibt viele Einflüsse von außen, die jeden Menschen in großen Stress versetzen können. Für autistische Menschen spielen, beim Stressempfinden, zusätzlich noch andere Faktoren eine Rolle, die für neurotypische Menschen („normal“ empfindende Menschen) wenig oder keinen Druck erzeugen.

Faktoren bei Autismus könnten sein: 

  • Sinnesreize und Umwelteinflüsse sind ein extremer Stressfaktor für Menschen mit Autismus. Licht, Geräusche, Gerüche, Geschmack, Berührungen – Wenn zu viele Eindrücke auf einmal passieren, kommt es schnell zur Reizüberflutung.
  • Sozialkontakte werden oft als anstrengend empfunden. Diese verursachen große Anstrengungen für Personen mit Autismus, auch wenn sie vielleicht sehr gerne soziale Kontakte pflegen.
  • Veränderungen und spontane Umstellungen können auch viel Stress verursachen, besonders dann, wenn diese nicht ausreichend im Vorfeld besprochen und angekündigt wurden.
  • Missverständnisse in der Kommunikation und Zusammenarbeit führen oft zu Verwirrung, Unordnung und großer Unsicherheit.
  • Hohe Unter-, oder Überforderung bei Tätigkeiten und Aufgaben bei der Arbeit und fehlende Unterstützung, kann ein größeres Stresserleben verursachen.
  • Unverständnis und Provokation durch andere Menschen im dirkekten Umfeld sind ebenfalls stark belastende Faktoren für den Arbeitsalltag.
  • Auch können persönliche Eigenschaften, wie Perfektionismus oder Misstrauen anderen Menschen gegenüber eine autistische Person in Stress versetzen.

Vieles ist einfach ungefiltert.

Da Menschen mit Autismus diese Stressfaktoren schlecht bis nicht filtern können, kann es schnell zur Überlastung kommen, was im Extremfall dazu führen kann, dass Betroffene die Kontrolle über ihr eigenes Verhalten verlieren, anfangen zu schreien, laut zu schimpfen, den Kopf gegen die Wand zu schlagen oder Ähnliches.

Kann der Stress dann nicht kompensiert werden, kann es dazu kommen, dass die Betroffenen sich komplett zurückziehen und nicht mehr ansprechbar sind. Viele autistische Menschen entwickeln eigene Strategien und Wege zur Stressreduzierung im Arbeitsalltag. Um ihnen dabei zu helfen und Überstrapazierung zu vermeiden, gibt es ein paar Dinge, die der Arbeitgeber und Kollegen tun und beachten können:

Auf Reizarmut am Arbeitsplatz sollte geachtet werden. Eine ruhige Umgebung ohne zu viel Sonneneinfall und Menschenzulauf, welche die Sinne des Menschen möglichst schont und die Möglichkeit Kopfhörer zu tragen oder auch HomeOffice Arbeit als Ausweich Option zum Büro sind fördernde Faktoren, damit Menschen mit Autismus an ihrem Arbeitsplatz gesund und stressfrei bleiben.

Struktur ist das A und O.

Struktur ist für autistische Personen sehr wichtig. Ein geregelter Tagesablauf, klare Anweisungen in Bezug auf Regeln, Gegebenheiten oder sozialer Bräuche und Regeln am Arbeitsplatz, Festlegung eines konkreten Ansprechpartners (Dieser sollte möglichst gleiche Anwesenheiten haben.), Priorisierung der Aufgaben, Festlegung von Zielen und eindeutige Kommunikation ohne Wortspiele, Sprichwörter oder Ähnlichem sind notwendige Mittel zur problemlosen Zusammenarbeit. Durch rechtzeitige Ankündigung von Änderungen am Arbeitsplatz kann Belastung durch spontane Umstellungen vermieden werden.

Zu informellen Anlässen, wie Betriebsausflügen, Jubiläen oder Ähnlichem sollte eine Person im Autismus-Spektrum nicht zur Teilnahme gedrängt werden. Geben Sie Möglichkeiten zur Absage einer sozialen Interaktion, wenn die emotionale Verfassung dies nicht ermöglicht. Achten Sie auf Anzeichen für Stress und Überanstrengung. Geben Sie der autistischen Person Möglichkeiten, sich zurückzuziehen, z.B. in Form einer kurzen Pause in einem gesonderten Raum, wenn es zu viel für sie wird.

„Autisten“ sind wie du und ich.

Und am wichtigsten: Seien Sie freundlich und empathisch den Menschen gegenüber. Behandeln Sie einen Menschen im Autismus-Spektrum wie eine vollwertige Person Ihres Teams. Keiner möchte als „Autist*in“ abgestempelt sein. Inkludieren Sie die Person in das Arbeitsumfeld, lassen Sie sie teilhaben an der Gemeinschaft. Wenn Sie sich bei etwas in Bezug auf die Zusammenarbeit mit der Person unsicher sind, fragen Sie nach.

Denn wie die Sesamstraße uns schon früh lernte: „Tausend tolle Sachen, die gibt es überall zu sehen. Manchmal muss man fragen, um sie zu verstehen.“

Ein Beitrag von Praktikantin Max

Quellen:

https://www.autismus.de/
https://www.youtube.com/watch?v=nxOMAbbDTxA
https://www.autismus-bremen.de/
https://autismus-verstehen.de/
https://www.autismus.de/